„Call for Papers”
für den 11. Workshop Ethik
Recht und
Moral –
eine produktive Spannung
21.-23. März 2012, Wilhelm-Kempf-Haus,
Wiesbaden-Naurod
Zum elften Mal laden
wir zum WORKSHOP ETHIK ein, der als Diskussionsforum über die Grundlagen
ethischer Reflexion konzipiert ist und mit dem wir Ethiker/innen verschiedener
Disziplinen ins Gespräch
bringen wollen.
Natürlich ist nicht alles, was Recht ist, auch
moralisch richtig; und nicht alles, was moralisch gefordert ist, wird auch vom
Recht verlangt. Trotzdem sind Moral und Recht nicht vollständig getrennte
Sphären, sondern aufeinander angewiesen.
Ein Beispiel für das produktive Verhältnis von Recht
und Moral sind die Menschenrechte. Bei deren Entwicklung gingen die Wahrnehmung
von Unrecht und die moralische Begründung von Reformforderungen mit einem
politischen Kampf für die Verankerung des moralischen Anspruchs im Recht
einher, während die etablierte Rechtsnorm wieder auf das moralische Urteilen
zurückwirkte. Zu den Funktionen des
Rechts gehört es, moralische Forderungen zu begrenzen, z.B. einzelne
weltanschauliche oder religiöse Gruppen daran zu hindern, ihr moralisches
Urteilen allen Bürgerinnen und Bürgern des Gemeinwesens aufzuzwingen.
Andererseits kann der Rückzug auf das bloße Recht auch die Erosion von Moral
fördern. Moralisch Zweifelhaftes kann rechtlich erlaubt sein bzw. wird
rechtlich nicht verfolgt, weil das moralisch angestrebte Ziel mit den Mitteln
des Rechts nicht erreicht werden kann. Während dies akzeptabel scheint, wird
das Verhältnis von Moral und Recht offenbar dann zum Problem, wenn beide zu
stark divergieren, z.B. wenn Gesetze nicht gerecht sind oder übertreten werden
müssen, um das Gute zu tun. Damit stellt sich auch die Frage nach dem
Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit: Wie hängen diese zusammen? Liegt die
moralische Dimension des Rechts in der Gerechtigkeit? Wer Recht setzt, kann
sich nicht auf das „Legale“ beschränken, sondern muss – auch moralische –
Legitimität anzielen, sonst wird das Recht nicht akzeptiert. Doch wie können
beide, Recht und Moral, ihre volle positive Wirkung entfalten?
Wie können pluralistische Gesellschaften bei
divergierenden Moralvorstellungen zu gemeinsamen Rechtssätzen kommen? Welchen
Einfluss haben moralische Vorstellungen bei der Rechtsprechung? Durch
Globalisierung, Migration, gesellschaftliche Differenzierung, Pluralisierung
der Lebensentwürfe und Individualisierung steigt die Spannung zwischen dem
einen Recht und der Pluralität moralischer Ansprüche. Diese prägt auch die bisher
nur sehr zögerliche Weiterentwicklung der internationalen Rechtsordnung, obwohl
diese zugleich weit hinter den Gerechtigkeitsintuitionen vieler Menschen zurückbleibt.
Am WORKSHOP ETHIK werden mit Prof. Dr. Herta
Nagl-Docekal, Dr. Susanne Beck und Prof. Dr. Stefan Gosepath Wissenschaftler/innen
teilnehmen, die sich bereits als Expert/innen zu diesen Fragen einen Namen
gemacht haben. Alle weiteren Statements werden von den Teilnehmern/innen selbst
übernommen.
Wir laden Sie herzlich
ein, die Diskussionen beim elften Workshop Ethik durch ein 20-minütiges Referat
anzuregen. Bitte schicken Sie uns den Titel und die wesentlichen Inhalte Ihres
Referates bis zum 1.12.2011 auf ein bis zwei DIN A4-Seiten per E-mail an
cfp@workshop-ethik.de. Aus den Einsendungen werden wir geeignete Referate auswählen.
Die Teilnehmer/innen, die ein Referat übernehmen, müssen keine Tagungsgebühr
bezahlen und erhalten eine Fahrtkostenerstattung. Wenn Sie kein Paper einreichen
wollen, aber an einer Teilnahme interessiert sind, nehmen Sie bitte Kontakt mit
uns auf, damit wir Ihnen eine Einladung und das Tagungsprogramm zuschicken können.
Es wäre schön, mit Ihnen beim nächsten Workshop Ethik ins Gespräch zu
kommen!
|
Prof. Dr. Gerhard Kruip Universität Mainz Kath.-Theol. Fak. Saarstr. 21, Forum 4 55099 Mainz www.uni-mainz.de |
Dr. Gotlind Ulshöfer |
Dr. Georg Horntrich |
Prof. Dr. Bernhard
Emunds |
Informationen zum Workshop
Ethik finden Sie im Internet unter www.workshop-ethik.de. Die Papers senden Sie bitte an
cfp@workshop-ethik.de.